Rundbrief Juli 2022

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Und so sieht es aus im Dörpketal, (Stadtforst Goslar)

29.000 Bäume und Sträucher für Goslars Nordberg

Für die Pflanzung im Herbst 2022 hatte FoF die Erwartungen etwas heruntergeschraubt. Wir beab­sichtigten, weniger Bäume zu kaufen. Uns war bekannt, dass die Eigentümer des Schafs­kopf/Nordbergs kein Geld hatten und dass die Kosten für professionelle Pflanzer von 40 Cent pro Setzling auf 70 Cent oder mehr gestiegen waren.

Anstatt von den Freiwilligen zu verlangen, einen erheblichen Teil ihrer wertvollen Wochenenden fürs Pflanzen zu opfern, beschlossen wir, die Zahl der von Freiwilligen gepflanzten Setzlinge von etwa 2.500 im Dörpketal auf etwa 1.500 zu reduzieren. Der größte Teil der Bepflanzung würde von bezahlten Fachleuten durchgeführt werden.

Alles wurde sorgfältig geplant. Selbst wenn keine Stiftung Geld spenden würde, könnte FoF die Kosten für den Kauf der Setzlinge für drei Hektar gerade so decken.

Als ich den Förster anrief, der den Nordberg beaufsichtigt, war meine erste Frage, ob zusätzliche Kosten anfallen würden, Zäune, ein vorübergehender Ort zur Lagerung der Setzlinge, usw. „Nein“ hörte ich, „wir sind einfach nur froh, die Bäume zu bekommen“. Ich war erleichtert.

Ein wenig Hilfe von unseren Freunden
Das Glück von FoF schien sich weiterhin zu verbessern. Beim „Nachhaltigen Dienstag“ in der VHS Ende Mai kam eine nette junge Frau an den FoF-Stand (sie sagte später, es hätte sie jemand dar­auf hingewiesen, unbedingt mit uns reden). Sie ist vom BUND Naturschutz und ihre Aufgabe ist es, Gartenschläfer, eine Unterart der Siebenschläfer, zu schützen. Als ich auf ein Plakat, ein A-3-Foto vom Schafskopf zeigte, auf dem FoF im Herbst pflanzen wird, platzte es aus ihr heraus: „Das ken­ne ich, ich habe dort vor einem Jahr Nistplätze eingerichtet.“ Sie kennt auch den Förster.

Das Treffen

Es wurde ein Treffen zwischen Förster, BUND und FoF vereinbart um das Gelände zu besichtigen. Bei diesem Treffen am Schafskopf wurden einige Themen erörtert, z.B. wo die Hecke hinkommen soll, oben am Hang, an einem Waldweg. Die junge Frau vom BUND war zufrieden. Es gelang ihr, ihre Vorgesetzten zu überzeugen. Der BUND ist also bereit, 8.000 bis 10.000 Euro auszugeben für eine breite Hecke etwa einen halben Kilometer lang am Hang des Schafskopfes. Es soll eine dichte Hecke mit verschiedenen Sträuchern für Vögel, Tiere und für die Gartenschläfer werden.

Ein weiterer Punkt, der besprochen und vereinbart wurde betrifft unseren Geräteschuppen im Dörpketal. Der Förster wird einen Traktor mit Anhänger organisieren um den Schuppen abzuholen und ihn zum Nordberg zu transportieren, ohne Ab-und Aufbau. Wenn Ende Oktober oder im No­vember kühles Wetter aufkommt und mit der Bepflanzung begonnen wird, haben wir die Werk­zeuge wieder direkt vor Ort.

Fast eine Katastrophe
Bei unserem Treffen explodierten plötzlich eine Reihe von sprichwörtlichen Bomben. Die Eigen­tümer vom Schafskopf/Nordberg hatten beschlossen, FoF den gesamten Hang zu überlassen. Das sind etwa 5 und nicht 3 Hektar. Dann kam der absolute Hammer. Wir haben über Kosten gespro­chen, Anteil von BUND und FoF. Ich hörte vom Förster: „Ok, FoF übernimmt die Kosten für Bäume und Pflanzung…“ Ich versuchte, einen kühlen Kopf zu bewahren, und bat um Klarstellung. „Nein, es gibt keine zusätzlichen Kosten außer dem Kauf der Bäume und ihrer Anpflanzung“. Die Forstge­nossenschaft hat kein Geld für die Pflanzung. Das war ein Missverständnis.

Ich konnte nicht einfach weglaufen, also sagte ich mit freundlichem Gesicht: „Kein Problem, FoF kann beide Kosten übernehmen.“ Was nicht wirklich stimmte. Ich war ein wenig ratlos. Woher soll das Geld kommen?

Am nächsten Tag rief Stiftung Schutzgemeinschaft Deutscher Wald an. „Ich habe 33.000 Euro für die Vorbereitung des Geländes, den Kauf der Bäume und ihre anschließende Pflege für bis zu fünf Jahren.“ FoF war wieder im Geschäft, d.h. noch nicht ganz. Es fehlen noch Mittel für die professi­onellen Pflanzer in Höhe von € 6000, die FoF aufbringen muss. Wir schreiben jetzt Bettelbriefe.

Einzelschutz

Das Timing war leider nicht optimal. Die kleinen Gatter sollten im November eintreffen. Sechs Monate später kamen sie genau vor Himmelfahrt und Pfingsten an. Viele unserer Helfer waren im Urlaub. Martin Hildebrandt war mit dem Fahrrad unterwegs für Wald für Morgen. Ralf Warnecke hatte eine Knieoperation. Aber die Gatter mussten jetzt ohne weitere Verzögerung aufgestellt werden: Dornen nahmen überhand, einige Bäume waren bereits angefressen.

Zäune gegen Rehe? Es gibt mehrere Konzepte
Einen Baum in die Erde zu bringen, ist ein wunderbares Gefühl. Aber das allein ist nicht ausrei­chend. Der Baum braucht noch Schutz und Pflege.
Man sieht sie selten, aber sie sind da und beobachten dich. Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung gibt es im Goslarer Stadtforst einen Bestand von rund 250 Exemplaren Rotwild. Nicht zu vergessen, dass es auch Rehwild und Schwarzwild gibt. Und sie alle warten nur darauf, dass der Förster neue saftige Setzlinge für sie pflanzt.

Bäume sind nicht nur ein leckerer Snack. Wild liebt es auch, ganze Rindenstreifen zu schälen und alte Basthaut hinweg zu reiben, so genanntes „Fegen“. Es sind junge Bäume, die das bevorzugte Zielobjekt sind. Rinde und Äste fliegen dann in alle Richtungen.

Zäune sind keine Lösung. In der Goslarer Stadtforst sind nur ein bis zwei Prozent der Fläche ein­gezäunt. Es ist einfach zu teuer, zu schwierig zu recyceln. Außerdem führen Zäune zu Unfällen mit Tieren und Vögeln und stören die natürlichen Abläufe der Tierwelt. Teures und arbeitsintensi­ves Hordengatter kann nur eine überaus kleine Nischenlösung sein. Aber Wälder brauchen Tiere genauso wie Tiere Wälder brauchen. Der Verlust von Wildtieren oder Bäumen in einem Wald ist kein gutes Zeichen.

Der Wolf z.B. wäre eine gute Lösung, ist aber nicht sonderlich beliebt.

FoF schafft die Voraussetzung für Naturverjüngung

Mit kleinen Baumbeständen und viel Freiraum zwischen den Baumbeständen verfolgt FoF das Ziel, die Unterholzvegetation wiederherzustellen und den Fortbestand eines sich selbst erneuernden und vielfältigen Waldbestandes zu gewährleisten, zu einem intakten Ökosystem.

In alten Zeiten, in denen die Forstwirtschaft der Landwirtschaft ähnelte, in der es Pflanzenreihen gab und alles sauber und ordentlich gehalten wurde, hatte das Wild kein Unterholz als Nahrungs­quelle, sondern nur die Bäume.

Dort wo FoF letztes Jahr gepflanzt hat wollen wir versuchen, mit dem Wild einen Kompromiss zu schließen. Sie können fressen, was auf den freien Flächen steht, sollten aber die Bäume in Ruhe lassen. Himbeeren und anderes Gewächs, das im Dörpketal wild wächst, werden hoffentlich aus­reichend Schutz bieten.

Vertrauen ist gut, aber Einzelschutz ist besser. Das Forstamt Goslar hielt den Einzelschutz für eine gute Lösung um ein natürliches Gleichgewicht anzustreben: nicht jede Baumart ist durch Wildver­biss gefährdet und nicht jeder gefährdete Baum braucht unbedingt Schutz. In dem Gebiet, in dem wir gepflanzt haben, hat eine Reihe von Setzlingen einen individuellen dreieckigen Holzschutz erhalten.

Unsere Hoffnung war, dass ein Samstag ausreichen würde, um die Arbeit zu erledigen, aber das war leider nicht der Fall. Eine Handvoll Unermüdlicher schaffte es jedoch die Arbeit an zwei lan­gen Wochenenden zu erledigen. (Vielleicht ist das Sprichwort bekannt: „Nur die Harten kommen in den Garten“ oder „Kommt es hart auf hart, kommen die Harten in Fahrt“) Und so geschah es.

Noch eine Überraschung

Letzte Woche erhielt FoF eine E-Mail von Stiftung Unternehmen Wald. Sie bietet € 30.000 für Bäume an.
Hallo Herr Kahan, wir haben eine Anfrage von einer Firma aus X, die gern 10.000 Bäume im Harz pflanzen möchte. Können Sie uns hier unterstützen?
Danke und beste Grüße

Ja, FoF hilft gerne. Ich habe das Angebot angenommen und rief Forstamt Goslar an. „Also, wir müssen über das Angebot nachdenken. Wir hatten eigentlich nicht vor, neue Flächen zu pflanzen, sondern nur abgestorbene Setzlinge durch neue zu ersetzen. Ich melde mich in drei Wochen wie­der bei Ihnen.“

Die Forstgenossenschaft Jerstedt hat jedoch sofort zugesagt. Im Herbst 2022 sollen am Schafs­kopf/Nordberg 29.000 Bäume und Sträucher gepflanzt werden.

David Kahan

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