Tatort Stadtforst Goslar

Another one bites the dust (Wieder beißt einer ins Gras)

Tatortbericht: Stadtforst Goslar

Wann: 2020 zwischen März und August

Wo: Stadtforst Goslar

Mordopfer: Picea abies
(allgemein bekannt als Fichte)

Wohnsitz: Überall in den Wäldern

Deutschlands (häufigste Baumart )

Was: 1.3 millionen Fichten vernichtet

Täter: Cryphalus abietis
(Alias Borkenkäfer der Bösewicht)

Art der Tötung: Lebendig gefressen

Während Sie diesen Bericht lesen, mampfen irgendwo in der Stadtforst Borkenkäfer Bäume. Im März 2020 wurden bereits über 450 Hektar durchgekaut. Im Oktober waren fast 1.000 Hektar betroffen, Der Haupt-Übeltäter sieht so aus:

Sechs Käfer können auf einen Daumennagel eines erwachsenen Mannes passen. Man erinnert sich an den Film ‚Alien‘, ein absolut alles zerstörendes Monster, das den Menschen zur Fortpflanzung als Brutstätte benutzt. Genauso macht das der Borkenkäfer mit Fichtenholz als Brutstätte.

In ein paar Wochen ist der Baum im Wesentlichen abgestorben.
Die Käfer vermehren sich schnell, wandern und fressen. Wenn es warm wird und die Tage länger werden, sind sie auf dem Vormarsch. Wenn es kalt wird, machen sie eine Pause.

Sie dringen in die Rinde des Baumes ein und fangen an, Tunnel zwischen Rinde und Holz zu graben. Es werden Eier gelegt. Wenn die Larven schlüpfen, beginnen sie sofort, sich von Holz und Rinde zu ernähren dort,  wo Wasser und Nährstoffe innerhalb des Baumes transportiert werden.

Ist die Larve geschlüpft, begibt sie sich nicht zielgerecht auf die Reise in alle Richtungen. Nackte Bäume werden von innen gefressen, so dass der Baum vor Hunger stirbt.

Haben sich Borkenkäfer erst einmal erfolgreich eingefressen, produzieren sie oftmals Lockstoffe, die weitere Käfer anlocken. Man rechnet mit etwa 300 Käfern pro Quadratmeter die die Abwehrkräfte des Baumes lahm legen.

Das Wandern in der Stadtforst wird zusehends verwirrender. Der „Sattel“ der Stadtforst verläuft von Rammelsberg/Goslar, bis zum Hahnenberg bei Oker, dem Mittelpunkt der Hügelkette zwischen dem Goslarer Tal und Okertal. Innerhalb einer Woche ist ein gemütlicher Picknickplatz mit Blick auf den Brocken verschwunden. Wo einst ein dichter Wald stand, wird heute eine Fläche von etwa 40 Fußballfeldern abgeholzt. Goslar verliert seinen Wald schneller, als McDonalds Hamburger flippen kann.

Blick aufs Dörpketal
Das Tal ist etwa einen Kilometer lang.

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Links die Westseite des Giengelsbergs, rechts die Ostflanke des Rammelsbergs

Rammelsberg wo alles begann:
der Beginn von Goslars Weg zum Ruhm

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Südseite

Oh je, hier sollten Bäume stehen

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