Rundbrief April 2022

Foto vom Schafskopf , Dirk Gutnoff: Fotograf und Webdesigner (www.gutnoff.de), Pflanzer bei FoF

Foto vom Schafskopf , Dirk Gutnoff: Fotograf und Webdesigner (www.gutnoff.de), Pflanzer bei FoF

⇑ FoF Pflanzeinsatz Herbst 2022

Stiftungen sind zurückhaltend bei der Unterstützung privater Forstbesitzer

 

Auf Anfragen an Stiftungen zur Unterstützung privater Forstbesitzer erhielt FoF zögerliches Feed- back. „Arbeiten sie mit privaten Eigentümern zusammen?“ Eine Stiftung erklärte den Grund für diese Frage. „Zumindest bei kommunalen Wäldern kann man sicherer sein, dass der Wald eine andere Funktion hat als die eines Wirtschaftswaldes.“

Die Sorge ist berechtigt, nur, den Borkenkäfern stört das nicht. Sie befallen nicht nur den Kom- munalwald. Ein Blick auf den baumfreien Goslarer Nordberg bestätigt, dass die Käfer keine Priori- täten kennen. Ein großer Teil des Berges gehört einer Gruppe von Privateigentümern, Forstgenos- senschaft Grotenberg-Jerstedt.

Der Nordberg braucht dringend unsere Hilfe; er ist schließlich immer noch ein fester Bestandteil von Goslar. Die Eigentümer helfen ebenso das Trinkwasser für die Region zu schützen (Trinkwas- serschutzkooperation: Harzwasserwerke GmbH, der Harz Energie Netz GmbH, Stadt Goslar sowie der Forstgenossenschaft Grotenberg-Jerstedt).

Stadtforst Goslar wird seit Jahren von der Stadt Goslar bezuschusst. Die Forstgenossenschaft hat diesen Vorteil nicht. Bei der öffentlichen Anhörung, an der FoF ebenfalls teil nahm, erklärte Wil- fried Stechers, eines der Mitglieder der Forstgenossenschaft, dass sie von 180 ha Gesamtfläche bereits 80 Hektar Schadholz verzeichnen. Seit 2017 konnte die Genossenschaft keine Dividende mehr ausschütten. Ihre kleine Rücklage muss mindestens für die nächsten 50 Jahre reichen. Laut Oberbürgermeister a.D. Dr. Junk seien keine finanziellen Mittel verfügbar.

Der Vorsitzende der Genossenschaft, Joachim Lindenberg, erklärte später: „Es wird mindestens 2 – 3 Generationen dauern, bis ein positives Ergebnis erwirtschaftet werden kann.“

 

FoF pflanzt auf dem Nordberg im Herbst 2022

 

Die Forstgenossenschaft Grotenberg-Jerstedt und FoF arbeiten gemeinsam daran, im Herbst 2022 einen fünf Hektar großen Hang zu bepflanzen. Rund 10.000 Bäume, große, mittlere und kleine Bäume in Bauminseln sowie eine lange Hecke aus Sträuchern am unteren Ende sind geplant. Die Hecke soll müden Vögeln einen Rastplatz bieten und Wanderern etwas Schönes zu betrachten, zu riechen und zu hören geben.

Das Foto auf Seite 1 zeigt den Standort unserer geplanten Bepflanzung. Er ist leicht mit Fahrrad oder zu Fuß zu erreichen . Der Weg beginnt in der Straße Schieferweg im Wohngebiet Steinberg. Zuerst fährt man die Straße bis zum Ende. Danach folgt ein gemütlicher Spaziergang. Nach weni- gen Minuten kommt man auf der rechten Seite an den Abraumhalden einer Schiefergrube vorbei.

Zuerst gab es hier einen Steinbruch, dann ein Bergwerk. Über 750 Jahre besaß Goslar diese Schie- fergrube. Damals war sie ein Handelsmonopol für den Schieferabbau, exportierte aber auch in andere Städte (z.B. Hamburger Nicolaikirche). Goslar wurde mit diesen Schiefern gebaut (Giebel, Fassaden, Dachbedeckung).

Das Foto zeigt die Mine, die von 1890 bis 1960 in Betrieb war
Das Foto zeigt die Mine, die von 1890 bis 1960 in Betrieb war

 

Der Weg führt vorbei am Biotop am Rheinbachteich links.

Foto: Dirk Lübker, GOSLAR marketing gmbh
Foto: Dirk Lübker, GOSLAR marketing gmbh

Die gemütliche Wanderung führt nun weiter zum Granestausee. Auf der rechten Seite vom Lüde- ckental liegt der Schafskopf. Das ist der Ort, an dem wir pflanzen wollen (s. Foto S. 1).

Ein kleines Stück Geschichte

 

Ein Country- und Westernsänger wurde gefragt, warum er immer über Wein, Frauen und Herzschmerz singt. Er schaute verwirrt und antwortete: „Was gibt es denn sonst noch?“

Worüber hätte man im Mittelalter sonst noch reden sollen als über Wälder? Im Mittelalter ging nichts ohne Holz. Die Wälder waren begehrt. Für diejenigen die in Goslar geboren und aufgewach- sen sind, sind Nordbergs Wälder ein fester Bestandteil Goslarer Geschichte.

Goslarer werden sich an Bruno erinnern, den Bischof, der dem Kaiser Heinrich dem Löwen den Nordberg im Jahr 1154 klaute und ihn einfach dem Kloster Riechenberg übergab.

(Damals konnte die Kirche noch so etwas tun. Z.B. als der deutsche Kaiser den Papst ärgerte. Der Kaiser musste im Winter die Alpen überqueren und stand Ende Januar 1077 drei Tage lang barfuss im Schnee bevor der Papst ihn empfing. Man erzählt sich, dass der Papst auf den Rücken des sich hinlegenden Kai- sers trat und sagte „So mache ich es mit meinen Feinden.“)

Das Kloster muss in finanzielle Schwierigkeiten geraten sein, denn 1316 verkaufte es die Goslarer Seite des Nordbergs. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wird der Nordberg als Grenze zum Kaiser- forst erwähnt. Wir lesen in 1771 „In Lüddecken Thale zwischen dem Nord und Steinberge, am Schaafs Koppe längst dem Nordberg bey der Schiergrube am Grubenwege.“ Das betrifft uns; genau dort in Lüddecken Thale bey dem Schieferweg wollen wir in diesem Herbst pflanzen.

1901 warf Reichenberg das Handtuch. Der Rauch der Juliushütte war so stark, dass die Wälder stark beschädigt wurden; das Kloster verkaufte sie. Die Männer aus Jerstedt bearbeiteten den Wald seit Anfang des Jahres 1800 und taten es auch weiterhin. Im Jahr 2001 hatte die Forstgenos- senschaft die Möglichkeit, einen Teil vom Nordberg zu erwerben. Circa 20 Familien setzten damit eine 200-jährige Tradition der Jerstedter Waldbewirtschaftung fort.

 

Jetzt kommen wir zum Kern der Sache:

Nachhaltiger Waldumbau

 

Jeder von uns träumt von unberührten intakten Wäldern, von Bäumen unterschiedlicher Höhe und unterschiedlichen Alters die riesige Mengen an Kohlenstoff sammeln, die den Klimawandel ver- langsamen und Dürren bekämpfen, Wälder, die als Brennpunkte von Mykorrhiza- Kommunikationsnetzwerken fungieren und ein Mikroklima schaffen, das den entscheidenden Le- bensraum für unzählige Lebewesen bietet.

Sorry, aber wir Baumpflanzer müssen die Sache ganz nüchtern sehen.

Die Welt braucht mehr Holz, nicht weniger. Das Material für Stahl und Beton, das in einem Ge- bäude verwendet wird, muss gewonnen, hergestellt, verarbeitet, transportiert und zusammenge- baut werden. Stahl hat 5 mal mehr dieser „verkörperte Energie“ (Gesamt-Energie) als Holz; Beton hat 6 mal mehr.

Für die Behandlung von Stahl wird 83-mal mehr Wasser benötigt als für die Imprägnierung von Holz. Weltweit hat Stahl mit rund 10 % der weltweiten CO2-Emissionen einen absolut massiven Kohlenstoff-Fußabdruck. Die für die Herstellung von Beton benötigte Energie geht durch die De- cke (etwa 9 % der weltweiten CO2-Emissionen).
Überall auf der Welt werden immer höhere und größere Gebäude aus Holz gebaut, z.B. ein 10- stöckiges Gebäude in Zürich oder die Schule in Norfolk, die im Vergleich zur Verwendung von Stahl oder Beton 3.000 Tonnen CO2 einspart.

Das Hauptgebäude des Parks, aus Holz gebaut, in den schottischen Cairngorms ist so kohlen- stoffsparend, dass er die Heizungsemissionen 47 Jahre lang ausgleichen wird. Eine Konstruktion aus Brettsperrholz reduziert die gesamten Kohlenstoffemissionen um
60 %.

Das bedeutet, dass wir bei FoF nicht nur Bäume pflanzen. Wir pflanzen nicht nur Mischwälder. Wir pflanzen nachhaltige Wälder. Wir pflanzen zwar keine 8.000 Eichen auf einen Hektar, aber wir akzeptieren, dass eines Tages einige Bäume geerntet werden müssen. Die Bauminseln, die FoF pflanzt, sind jedoch der Kern einer nachhaltigen Forstwirtschaft.

Der Hauptunterschied besteht in der Freifläche. Die Wälder von FoF haben mehr Freiflächen zwi- schen den einzelnen Beständen oder Bauminseln. Diese Freiräume ermöglichen ein noch natürli- cheres Wachstum, da Wildsamen in den Freiräumen Wurzeln schlagen und neue Setzlinge austrei- ben können. Es sind diese Mosaikwälder, die so viel Variabilität enthalten.

Nach, sagen wir, 70 Jahren wird eine Bauminsel hier, eine andere dort abgeholzt werden. Der Wald insgesamt wird nicht beschädigt. Es wird keinen großen Kahlschlag geben. Die Entnahme einiger Bäume wird die Art und Weise nachahmen wie natürliche Wälder wachsen, wie sie abster- ben und sich erholen. Auch wenn eine Bauminsel abgeholzt wird, bleiben im Wald Bäume unter- schiedlichen Alters stehen, was ihm mehr Stabilität verleiht. Es ist eher ein Dauerwald. Also ein nachhaltiger Wald.

 

Nachhaltige Kompromisse

 

Der große Tag war gekommen. Treffpunkt war Anfang der Straße Am Nordberg. Alle Parteien wa- ren vertreten. Rainer Hoffmeister, der Förster, der den Nordberg betreut, und Leiter der Revier- försterei Wolfshagen ist, Beate Bauers, die geschätzte Försterin, die FoF unterstützt, sowie ein Vertreter von FoF und Mitglieder der Forstgenossenschaft. Ein Konvoi von Forstfahrzeugen fuhr zum Schafskopf hinüber.

Dort wurde bei klirrender Kälte über Bauminseln diskutiert und darüber, wie und was im Dörpke- tal gemacht wurde. Verschiedene Baumarten wurden besprochen sowie die Bedeutung von He- cken und die Notwendigkeit einer Vielfalt von großen bis kleinen Bäumen. Viele technische De- tails wurden erörtert, die Größe der Inseln, die Dichte und der Abstand zwischen den Inseln.

Wenn Holz als Baustoff unverzichtbar ist und für ein gesundes Klima CO2 speichernde Bäume not- wendig sind, dann müssen Kompromisse geschlossen werden. Beide Seiten, die ökologisch orien- tierte und die kommerzielle müssen bereit sein, etwas aufzugeben, das für sie wichtig ist.

Die Eigentümer der Kooperative waren bereit, das Risiko einzugehen, etwas Neues auszuprobie- ren, auch wenn die künftigen Erträge geringer ausfallen sollten als die Erträge in einem Wirt- schaftswald.

So war es auch an diesem bitterkalten Morgen. Man einigte sich darauf, Wälder mit weit weniger Bäumen pro Hektar zu pflanzen als bisher, aber mehr Bäume pro Hektar als ein Umweltschützer wählen würde. Die Bauminseln werden größer sein als die, die im Dörpketal gepflanzt wurden.
Der Freiraum zwischen den Inseln wird etwas geringer ausfallen. Der Hang wird nicht nur aus hoch wachsenden Bäumen bestehen, sondern aus großen und kleinen Bäumen sowie Sträuchern. Alles in allem eine echte Win-Win-Situation.
Wenn alles gut geht und die Setzlinge wachsen und gedeihen, dann können Wanderer entlang des Granestausee in einigen Jahren auf dem Schafskopf Eichen und drei verschiedene Ahornsorten wachsen sehen sowie Kirsche, Linde, Baumhasel, Kiefer und Lärche. Falls die richtigen Bedingun- gen gefunden werden, wird Elsbeere, eher eine Rarität, gepflanzt sowie ein kleiner Bestand an Hickory.

Dass diese Männer, die Forstgenossenschaft Grotenberg-Jerstedt, bereit waren, sich auf diese nachhaltige Zukunft für ihren Forst einzulassen, ist etwas, worauf FoF einen Toast ausspricht. Auf die der Forstgenossenschaft Grotenberg-Jerstedt!!

Mit freundlichen Grüßen,

David Kahan

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