Der englische Rasen, der Tod der Insekten
Nur das zu hören: „Englischer Rasen“. Der Begriff erinnert an eine frische grüne, dicht gewachsene Grasfläche…die sich nur durch eine intensive Pflege…durch Dünger erreichen läss…und durch 20 Liter Wasser pro Quadratmeter pro Woche die im Sommer benötigt. Da etwa 75 % der Grünflächen in Städten Rasenflächen sind, kann man sich die Menge an Wasser vorstellen.
Es ist kein Wunder dass laut Krefeld Studie 75 Prozent der Insekten verschwunden sind. Ein kurz gemähter Rasen ist von Natur aus nicht bienen- und insektenfreundlich: Die Gräser bilden keinen Pollen und keinen Nektar, den die vom Aussterben bedrohten Insekten so dringend benötigten. Für Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts erklärt „Der englische Rasen ist der Tod der Insekten.“
Studien (Dullin, 2009, Hayes 2023) zeigen, dass das Mähen die Häufigkeit und Vielfalt von Schädlingen und Unkräutern wie Ambrosia erhöht, die besser angepasst sind. Richter (2013) fand heraus, dass die Gesundheitskosten durch Ambrosia-Allergien in Bayern und Österreich über 130 Millionen Euro pro Jahr betragen.
Und das Mähen selbst? Umweltbehörden schätzen, dass 5% der gesamten Umweltverschmutzung in Städten durch das Mähen verursacht werden (Emissionen sind 124% höher als bei Autos, Platt, 2014).
Da bis zu 60% des auf Rasenflächen verwendeten Düngers ins Grundwasser gespült wird, ist es verständlich, dass benachbarte aquatische Ökosysteme leiden (Kozlowski 2012).
Muss es so sein?
Ökologisch wertvoll – Rettet den Vorgarten!
„Der Vorgarten ist der Eingangsbereich eines Grundstücks, der zwischen dem Gebäude und der Straße liegt“ Wikipedia
Der Garten als Ganzes kommt nicht in Frage, sondern nur diesen kleinen Streifen Rasen vorne. Der eigentlich nicht wirklich genutzt wird und nur zur Dekoration da ist. Dieser Vorgarten aber kann ein ökologisches Kraftwerk werden.
Gerade Vorgärten und kleine Grünflächen haben eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt und das Klima in der Stadt. Sie bilden ökologische Trittsteine für Pflanzenarten, Insekten und Vögel, die auf der Suche nach Nahrung und Nistplätzen von Trittstein zu Trittstein wandern. Grünflächen liefern saubere, frische Luft.
Forschende der University Cambridge kehren dem Rasen bewusst den Rücken und lassen wachsen was wachsen will und sind erstaunt, was alles passiert:
Im Jahr 2019 hat das King’s College Cambridge 0,36 Hektar seines ikonischen Black Lawn, der erst-mals 1772 angelegt wurde, in eine Wildblumenwiese umgestaltet. Trotz ihrer geringen Größe und ei-nen Zeitraum von nur drei Jahren ist die Biomasse um das 25-fache gestiegen, die Biodiversität ver-dreifacht (Insekten und Pilzarten, Fledermäuse), 1,36 Tonnen weniger CO2 emittiert wurden und 34 % mehr Licht reflektiert wurde (was die Umgebung kühlt).
Englischer Rasen im Vorgarten zeigt, dass dieser nicht nur zu einer Verarmung der Tier- und Pflanzenwelt beiträgt sondern sich auch negativ auf das Kleinklima im Wohnumfeld auswirkt. Vorgärten können einen hohen ökologischen Wert haben.
Niedrige Sträucher sind ideal für kleine Gärten oder Vorgärten
Vorgarten als Wiese ist wunderbar; jedoch sind Kleinsträucher ebenfalls ökologisch und erfordern weniger Pflege. Studien wie Galle (2024) zeigen z.B. „Zwergsträucher können die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf Insekten mildern indem sie das Mikroklima moderieren.“
Durch den Einsatz von Schatten spendenden Pflanzen kann
- eine befestigte Fläche beschattet und somit ihre Hitzespeicherung reduziert werden
- die Strahlungswärme von Hauswänden und befestigten Flächen vermindert werden
- ein besserer Temperaturausgleich (Tag / Nacht) stattfinden
Philippe Dahlmann Verband Wohneigentum e.V.
Sharmin (2024) findet in städtischen Gebieten eine mögliche Lösung zur Förderung der urbanen Biodiversität besteht darin, Sträucher zu pflanzen, um so strukturelle Komplexität zu erhöhen. Sträucher sind entscheidend wichtig: hohen Biodiversität und um die Häufigkeit und Vielfalt von Insekten zu maximieren.
Der Boden lebt!
Nur unter einer geschützten Schicht ist das Bodenleben aktiv: Mikroorganismen, Regenwurm und Co. können auf organische Materialien zurückgreifen.
Ist der Boden mit Sträucher bedeckt, kann der Boden Wasser besser aufnehmen; Verdunstung wird verringert. Trockenperioden resistent.
Sträucher sind Klimaschützer
Sie haben eine wichtige Funktion für das Kleinklima, denn sie erzeugen Sauerstoff, speichern CO 2, binden Feinstaub. Allein durch den Rückgang der grünen Vorgärten können diese herausragenden Funktionen stattfinden.
Viele Sträucher sind klein und bieten trotzdem einen vielfältigen Lebensraum für kriechende, fliegende und schleichende Lebewesen:
- Bartblume (Caryopteris x clandonensis) 1m hoch Strauch: Bienenmagnet, Hummeln, Falter Blauraute (Perovskia abrotanoides), 1m hoch: Bienen, alle Insekten
- Dünnblatt (Lepdodermis oblonga) 1m: Hummelmagnet, Bienen
- Gewöhnliche Zwergmispel (Cotoneaster integerrimus) 2m: Bienen, Falter, Hummeln, Hornissen Sauerdorn (Berberis thunbergii) 2m: Bienen
- Johanniskraut (Hypericum densiflorum) 1m: Bienen, Hummeln Schneebeere (Symphorycarpos albus) 2m: Bienen, Hummeln Zwergweigelie ‚Monet‘ (Weigela florida ‚Monet) 70 cm: Bienenfreundlich
- Zwergspiere ‚Little Princess‘ (Spiraea japonica), 60cm: Wildbienen, Schmetterlinge, Raupen Berberis buxifolia Nana, 50 cm: Bienenweide
- Zierquitte ‚Crimson and Gold (Chaenomeles), 120cm: wichtige Bienenweide
Auch kleinbleibende einheimische Wildrosen können den Garten vielfältig bereichern, z.B. Zimt-Rose (Rosa majalis).
Bunt, strukturreich und vielfältig soll der Vorgarten sein. Sie brauchen für die Blütenbildung keinen regelmäßigen Schnitt und bleiben von Natur aus so klein, dass sie überall Platz finden.
Er soll vielen Tieren und Insekten, einen Lebensraum bieten.