Warum muss der Wald im Forst bleiben?

Agroforstwirtschaft

Ein spannendes Thema, schon deshalb, weil Agroforstwirtschaft sich äußerst positiv auf den Klimawandel auswirkt. Zu empfehlen wäre ein Besuch auf Youtube, Agroforstwirtschaft (agroforestry). Die Videos zeigen u.a. glückliche Schweine, die ihre Schnauze in Sträucher stecken um an Nüsse zu kommen (Mark Shepard – Pioneer Agroforestry Farm Tour Video Series).

Die Grundidee der Agroforstwirtschaft beschreibt Burkhard Kayser auf seiner Website www.agroforst.de
Agroforstwirtschaft ist eine Form der Landnutzung, bei der mehrjährige Holzpflanzen (Bäume und Sträucher) willentlich auf der selben Fläche angepflanzt werden, auf der auch landwirtschaftliche Nutzpflanzen angebaut und / oder Tiere gehalten werden. In Agroforst-Systemen gibt es normalerweise sowohl ökologische als auch ökonomische Interaktionen zwischen den verschiedenen Komponenten. (J. Vogt 1999)

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Es geht bei modernen Agroforstsystemen in Deutschland nicht darum, Wälder in Agroforstsysteme um zuwandeln, sondern darum, landwirtschaftlich genutzte Flächen zu nachhaltig genutzten Agroforstsystemen aufzuwerten.

Agroforstsystem mit Gehölzen und Ackerbau: Christian Dupraz – INRA

 

Agroforstwirtschaft – ökonomisch und ökologisch viel versprechend

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung:
Gehölze mit Ackerkulturen oder Grünland auf einer Fläche so zu kombinieren, dass sich Vorteile für die Natur, das Klima und den Geldbeutel ergeben – das ist Agroforstwirtschaft. Dabei kann die Fläche unter und neben den Gehölzen entweder für Garten- und Ackerkulturen oder für die Tierhaltung verwendet werden.

Alte Systeme zukunftsfähig gemacht

Agroforstsysteme – klingt modern und zukunftsgerichtet, ist eigentlich aber schon ein alter Hut. In Deutschland waren sie bereits im Mittelalter verbreitet, zum Beispiel in Form von Streuobstwiesen, Schneitelbaumwirtschaft (Rückschnitt von Futterbäumen zur Gewinnung von Viehfutter) oder Hutewäldern (z.B. Eichelmast mit Schweinen).

Heinrich Cotta, hat in einem seiner späteren Werke eine völlig andere Sichtweise vertreten: In der „Baumfeldwirthschaft“ schreibt er im Jahr 1819, dass wir in der Landschaft Systeme schaffen sollten, die Holzproduktion, Viehhaltung und den Anbau von Feldfrüchten kombinieren. Dadurch würden sich die Fruchtbarkeit und die Stabilität maßgeblich erhöhen und die Menschen seien langfristig mit Nahrung und anderen wichtigen Produkten besser versorgt.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts verschwanden diese Bewirtschaftungssysteme dann allerdings mehr und mehr aus der Agrarlandschaft. Mit fortschreitender Intensivierung und Rationalisierung der Landwirtschaft empfand man die Bäume und Sträucher auf den Feldern immer mehr als störend und entfernte sie daher. Nur in wenigen Nischenbereichen haben Agroforstelemente bis heute überlebt. Das sind zum Beispiel Streuobstwiesen, Windschutzhecken oder Gewässerrandstreifen.

Seit einiger Zeit nimmt das Interesse an dieser Form der Landnutzung wieder zu. Denn Klimawandel, zunehmende Biodiversitätsverluste sowie die steigende Nachfrage nach Bio-Energierohstoffen haben dazu geführt, dass wieder mehr über die Etablierung nachhaltiger Landnutzungssysteme nachgedacht wird. Die modernen Agroforstsysteme unterscheiden sich von den alten dadurch, dass sie an die aktuelle landwirtschaftliche Produktionstechnik angepasst sind. Die landwirtschaftliche Nutzung soll dabei möglichst wenig durch die Bäume beeinträchtigt werden, sodass eine ökonomisch konkurrenzfähige Produktion von tierischen, ackerbaulichen und forstwirtschaftlichen Produkten möglich ist.

Klimaschutz dank Agroforstwirtschaft

Die Agroforstwirtschaft entfaltet ein erhebliches Potenzial für den Klima- und Umweltschutz. Würden 13,3 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz zu Agroforstsystemen umgewandelt, so könnten bis zu 13 % der Treibhausgasemissionen des Sektors Landwirtschaft kompensiert werden. Das mag nicht nach viel klingen, aber laut UN-Statistiken setzte die Landwirtschaft weltweit im Jahr 2017 fast 11 Milliarden Tonnen CO2 frei. Die Landwirtschaft hinkt dem Transport hinterher; sie trägt in hohem Maße zum Brutzeln des Planeten bei. 13% bedeuten etwa 1,5 Milliarden Tonnen weniger.

Eine Zusammenfassung

Mit der Entwicklung moderner Agroforstsysteme im letzten Jahrzehnt, beispielsweise in Frankreich und England, wurde gezeigt, dass sich Bäume auf landwirtschaftlichen Nutzflächen produktiv in die heutige europäische Landwirtschaft integrieren lassen. Solche modernen Systeme erreichen je nach Gestaltung das heute übliche hohe Ertragsniveau. Denn die Bäume und Sträucher kombinieren ökonomische und ökologische Vorteile, wie:

  • Wind- und Erosionsschutz,
  • Schutz vor Nährstoffverlusten durch Unterwurzelung des Ackerbodens durch Bäume,
  • eine beträchtliche Senke für Kohlendioxid,
  • einen Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere (Waldrandeffekt) und
  • eine unvergleichliche Landschaftsästhetik bei kulturell gesteigerter biologischer und auch wirtschaftlicher Produktivität. (Burkhard Kayser, www.agroforst.de)

Bereits nach sieben Jahren bewirkte das Agroforstsystem (Apfelbäume und Ackerkultur) in der Zentralschweiz eine substanzielle Humusanreicherung von 18 Prozent, verglichen mit der kultivierten Fläche, und dies nicht nur im Oberboden, sondern bis in eine Tiefe von 60 cm. Hingegen wurden Wurzelkonkurrenzen zwischen Ackerkultur und Baumstreifen in einem 8-jährigen Agroforstsystem (Ansaatwiese, Apfel- und Birnbäume) nicht gefunden. Durch die Bodenbearbeitung im Ackerland wurzelten die Bäume ausschließlich im Baumstreifen sowie in tieferen Bodenschichten.